Offenbarung
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  Neben Wahrträumen und Visionen definiert sich die Offenbarung im Islam unter anderem als eine zwischen Gott und dem Propheten auftretende, durch den Erzengel Gabriel überbrachte Kommunikation. Jedoch verschließt sie sich auch nicht dem dem Christentum ähnlichen, weitergefassten Offenbarungsbegriff, der die Erkenntnis Gottes durch das Beobachten seiner Schöpfung bezeichnet. Dem Glauben der Muslime zufolge ist der Koran in Form einer wörtlichen Offenbarung in einem Zeitraum von 23 Jahren an den Propheten Mohammed herabgesandt worden. Seine Zeitgenossen berichten, dass sie dem Propheten anfänglich in großen Zeitabständen und bruchstückweise zukamen, dann aber immer rascher und umfangreicher, und in den letzten Jahren seines Lebens zu einem ununterbrochenen Strom anschwollen.

In diesem Zusammenhang wird von einigen islamischen Gelehrten eine Unterscheidung zwischen der „individuellen“ und der „konstitutionellen“ Offenbarung getroffen. Letztere wird an einem Propheten mit dem Ziel getragen, die enthaltene Botschaft an einen großen Kreis von Menschen weiterzugeben, während Erstere vom Inhalt her weniger Tragweite besitzt und vielmehr als ein Liebesbeweis Gottes seinem Diener gegenüber fungiert, um Einsicht in verborgene spirituelle Realitäten zu gewähren. Ob und inwiefern das „Tor der Offenbarung“ auch heute noch offen steht, ist in der islamischen Welt heftig umstritten. Die Meinungen reichen von einer konsequenten Ablehnung seitens der Orthodoxie bis hin zu einer lebhaften Auseinandersetzung und in der Natur des Menschen als angeboren betrachteten Fähigkeit, diese zu erfahren (Sufis, aber auch Ahmadiyya).

> Quellen