Mihrab
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  Roter LuftballonMihrāb (arabisch ‏محراب‎, DMG miḥrāb pl. ‏محاريب‎, DMG maḥārīb) ist die islamische Gebetsnische in Moscheen, die die Gebetsrichtung (qibla) anzeigt.
Die Etymologie des Begriffs ist nicht abschließend geklärt. Die Wurzel ‏حرب‎ hat im Stamm III die Bedeutung „kämpfen“ und in Stamm IV „Krieg führen“. Als Nomen davon abgeleitet sind ‏حرب‎ „Krieg“ und ‏حربة‎ „Lanze“. ‏محراب‎ wird von einigen Wissenschaftlern (Lane, Goldziher) als „Kampfplatz“, im Sinne des ğihād an-nafs (d. h. Kampf gegen die eigene Trieb-Seele, Unzulänglichkeit) gedeutet. Einige vermuten auch ein Lehnwort aus dem Äthiopischen (Dillmann) oder dem Hebräischen חרבה churba (Beer, Daiches) mit einem diffusen Bezug auf Bauwerke.

Der Mihrāb in der Moschee
Der mihrāb ist der Ort des Imams während der täglichen Gebete und des Freitagsgebetes. Durch verschiedene Elemente zeigt er die Gebetsrichtung, die qibla, an. Das kann ein Steinblock wie im Hause Mohammeds in Medina sein oder ein farbiger Strich oder eine mit Zeichen versehene Steinplatte, wie in der Moschee des 'Amr in Fustat. Manchmal benutzte man auch eine in den Boden gesteckte Lanze; so in den „Feldmoscheen“ von Kufa und Basra.

Der erste Nischenmihrāb entstand beim Neubau der Moschee in Medina unter al-Walīd I. in den Jahren 709–710. Wie dieser ist auch der dritte Nischenmihrābin der großen Moschee von Damaskus (705–15) nicht erhalten. Der älteste erhaltene Nischenmihrāb befindet sich in der Moschee des Umar vom Ende der umayyadischen Zeit in Bosra.

In der Grotte unter dem Felsendom in Jerusalem befindet sich ein 1,3 m mal 0,8 m großer Flachmihrāb aus Marmor, der häufig als der älteste erhaltene Mihrāb präsentiert wird.

Gebrauch des Wortes

In vor- bzw. frühislamischer Zeit wurde das Wort in verschiedenen Richtungen gedeutet, zum Beispiel als Palast, wie in folgenden Koranzitaten:

„Ist dir nicht die Geschichte von denen, die miteinander stritten, zu Ohren gekommen? (Damals) als sie (über die Mauer) in den Palast einstiegen!“
– Koran, Sure 38:21

bzw. Paläste

„Sie machten für ihn, was er wollte: Paläste, Bildwerke, Schüsseln […]“
– Koran, Sure 34:13

Der Koran gebraucht miḥrāb auch im Sinne von „Tempel“, zum Beispiel „[…] Sooft Zacharias (nun) zu ihr in den Tempel kam, fand er Unterhalt bei ihr […]“ (Sure 3:37: Übersetzung: Paret) und „Da riefen ihm, während er im Tempel stand und das Gebet verrichtete, die Engel zu: Gott verkündet dir Johannes […]“ (Sure 3:39: Übersetzung: Paret) (beide sind häufig als Inschriften auf mahārīb zu finden), sowie „Da kam er ausdem Tempel zu seinem Volk heraus […]“ (Sure 19:11: Übersetzung: Paret).

Daneben findet man die Bedeutungen Nische, Vertiefung, Balkon, Galerie, wichtiger Teil bzw. spezieller Platz in einem Palast oder einer Kammer, höchster, erster bzw. wichtigster Platz, Raum zwischen zwei Säulen und Begräbnisstätte.Heute bezeichnet das Wort nahezu ausschließlich die Gebetsnische in der Moschee, selten auch „Heiligtum“.

Architektur
Ein mihrāb besteht aus einem von zwei oder mehr Säulen getragenen Bogen oder Gewölbe. Der Raum zwischenden Säulen ist flach oder zurückgesetzt, wodurch der Eindruck einer Tür oder eines Durchganges entsteht.
> Quellen